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Mit dem E-Auto durch Finnland und Schweden: Unser Roadtrip bis zum Polarkreis

Ende Mai 2025 haben wir uns auf die Fähre nach Helsinki gesetzt und sind zweieinhalb Wochen durch Finnland, Schweden und ein Stück Dänemark gefahren. Das Ganze mit dem Elektroauto, ohne feste Route und mit einem Kofferraum voller Sachen, von denen wir einige nie gebraucht haben. Herausgekommen sind Besuche in fünf Nationalparks, unzählige Rentiersichtungen, eine unverhoffte Villa am See mit Sauna und die Erkenntnis, dass die Vorsaison in Skandinavien ihre ganz eigenen Regeln hat. Hier kommt unser ehrlicher Reisebericht.

Ruhige Ostsee bei Sonnenuntergang. Mit so einer angenehmen Fährfahrt kann ein Urlaub gerne beginnen.

Warum Finnland und Schweden? Und warum Ende Mai bis Mitte Juni?

Ende Mai bis Mitte Juni ist in Finnland und Schweden noch Vorsaison. Diesen Umstand wollten wir bei dieser Reise für uns nutzen, bringt es doch einige Vorteile mit sich, die man nicht missen möchte. Leere Wanderparkplätze, freie Hütten auf den Campingplätzen, wenig bis keine Wartezeiten. Doch es hat auch Nachteile, die man kennen sollte. Das Wetter ist ohnehin im Norden eine Lotterie, in dieser Zeit nochmal etwas mehr, manche Bohlenwege in den Nationalparks sind noch nicht fertig verlegt und die Mücken sind trotzdem schon wach. So konnten wir jedoch ohne große Planung losziehen, denn bis auf die Anreise per Fähre hatten wir noch nichts im Voraus gebucht.

Die Anreise – Mit Finnlines von Travemünde nach Helsinki

Schon der Start hatte es in sich. Kaum saßen wir im Auto, standen wir auch schon in einer Vollsperrung der A9. Anderthalb Stunden und ein kräftiges Gewitter später, rollte der Verkehr wieder und wir hatten unseren eingeplanten Puffer schon weitestgehend aufgebraucht. Wir haben es dann doch noch relativ entspannt zum Skandinavienkai in Travemünde geschafft. Der Check-In ging fix über unsere Ausweise und eine halbe Stunde später schon parkten wir unser Auto auf Deck 8 der Finnlady. Auf den Autodecks geht es sehr eng zu und jeder verfügbare Platz wird genutzt, aber alles in allem kam da bei uns keine Hektik auf.

Unsere Kabine lag praktischerweise auf demselben Deck, so mussten wir unser Gepäck nicht so weiter tragen. Die Innenkabine ist recht eng, aber gut ausgestattet, mit ausreichend Steckdosen und einem verhältnismäßig großen Bad. Das Ablegen haben wir dann schon verschlafen, was auch nicht weiter tragisch war, die Überfahrt ist mit einer Dauer von rund anderthalb Tagen schon lang genug. Schlaf ist, je nach Kabine, auch ein knappes Gut an Bord. Die Innenkabine war sehr hellhörig, die Lüftung brummte und unsere Kabinentür entwickelte ein Knarzen, was auch ein dagegen gelehnter Rucksack nicht beheben konnte.

Der komplette Seetag dazwischen war dafür ein Traum. Wir hatten Glück mit einer spiegelglatten Ostsee, saßen im windgeschützten Bereich hinter der Bar, lasen, schauten durchs Fernglas und beobachteten das Bordleben. Der Altersschnitt unter den Passagieren war übrigens relativ hoch und jeder nutzte den Seetag anders. Amüsand zu beobachten war die Anglergruppe, welches schon am Morgen mit Bier in den Urlaub startete. Sogar ein kleines Bordgym mit Cardiogeräten und Kurzhanteln gab es, welches wir für eine Trainingseinheit genutzt haben.

Gebucht hatten wir außerdem das Mahlzeitenpaket für 82 Euro pro Person, das Brunch, Abendessen und Frühstück abdeckt. Das Buffet war stets großzügig, Brot, warme Speisen, Haferbrei, Kuchen und hat sich für uns gelohnt. So ließ sich Zeit totschlagen und wir mussten uns an Bord nicht selbst versorgen. Der Sonnenuntergang über der Ostsee am Abend war dann das perfekte Finale eines schönen Tages auf See. Am nächsten Morgen stand dann die Einfahrt nach Helsinki auf dem Programm, welche wir von Deck aus genossen. Vorbei an den vielen Schäreninseln, drehte das Schiff im Hafen und pünktlich um kurz vor zehn Uhr lagen wir am Kai. Einziger Haken nun bei einem PKW-Stellplatz auf Deck 8, wir waren mit die Letzten, die das Schiff mit dem Auto verlassen durften.

Unser schwimmendes Zuhause für anderthalb Tage, die Finnlady von Finnlines

Erste Tage im Seenland – Vääksy, Sysmä und der Leivonmäki-Nationalpark

Finnlands Hauptstadt Helsinki haben wir bewusst links liegen gelassen, die Stadt steht schon auf dem Programm unseres nächsten Finnlandbesuchs im Spätsommer des Jahres. Stattdessen ging es direkt Richtung Lahti und von dort weiter ins Seenland. Auf den Straßen ist uns sofort die schiere Menge stationärer Blitzer aufgefallen, gefühlt alle fünf Kilometer ist einer montiert und die einheimischen Fahrer halten sich jeweils nur kurz vor den Blitzern an die Tempolimits. Immerhin dem Stromverbrauch tut das gemütliche Tempo gut, der Bordcomputer zeigte uns 13 kWh auf 100 Kilometer an.

In Vääksy machten wir unseren ersten richtigen Stopp. Der Ort liegt an einem Kanal, der den Höhenunterschied von rund drei Metern zwischen zwei Seen überwindet und einer der meistbefahrenen Freizeitkanälen Europas gehört. Zu glauben war das erst nicht, denn wir sahen lange kein einziges Boot, doch dann durften wir doch noch einem größeren Schiff beim Schleusen zusehen. Wirklich geradeso passte das Schiff in die Schleusenkammer. Im Ort machten wir auch noch ein Picknick an einer überdachten Bank am Fluss.

Passt schon. Beim Schleusen in Vääksy blieben gefühlt nur wenige Zentimeter Luft.

Mit Schleusen haben wir ja im Jahr 2024 schon reichlich eigene Erfahrung sammeln können. Da waren wir mit einem Solarhausboot von der Müritz bis nach Schwerin und zurück unterwegs.

Weiter ging es über die Straße 314, die auf Höhe des Naturschutzgebietes Pulkkilanharju über eine schmale Landzunge und mehrere Brücken mitten durch einen See führt. Wer die norwegische Atlantikstraße kennt, es ist ein bisschen wie deren kleine Schwester, nur eben über Süßwasser.

Die erste Nacht an Land verbrachten wir in einer Hütte auf dem Campingplatz in Sysmä, direkt an einem kleinen Bach. Abends kamen wir in der Campingküche mit einem Pärchen aus Berlin ins Gespräch, welche in gerade drei Wochen mit dem Mietcamper zum Nordkap gefahren sind und jetzt schon auf dem Rückweg über das Baltikum waren. Sportliche Tour auf jeden Fall.

Am nächsten Tag stand die erste Wanderung an. Dafür wählten wir den Leivonmäki-Nationalpark, eine gute Stunde von Sysmä entfernt. Der Park ist klein, aber genau richtig für einen ersten Eindruck Finnlands. Es ging durch sattgrünen, dichten Wald, auf Bohlenbrettern über ein Moor und schließlich auf eine schmale Halbinsel, die erhöht durch den See verläuft. Dort pfiff uns der Wind ordentlich um die Ohren. Knapp 9,5 Kilometer sind wir gewandert, der Weg war vorbildlich markiert und immer wieder kamen wir an Schutzhütten mit Feuerstellen, Trockentoiletten und Holzvorräten vorbei. Auch die ersten Kontakte mit finnischen Mücken haben wir auf dieser Tour gemacht, gehört einfach mit dazu.

Wetterflucht nach Norden und ein unverhofftes Upgrade

Und dann kam das Wetter. Der Wetterberichte zeigte für die kommenden Tage im Süden und Osten Finnlands nur Regen, bei Temperaturen um die 13 Grad. Wir saßen nach der Wanderung im Auto, starrten auf das Regenradar und mussten eine Entscheidung treffen. Den Koli-Nationalpark, der eigentlich auf unserer Wunschliste stand, haben wir schweren Herzens gestrichen. Dieser liegt einfach zu abgelegen, um für schlechtes Wetter so weit zu fahren. Stattdessen würden wir nun direkt weiter in Richtung Norden fahren, da sollte das Wetter aufklaren.

Auf der Fahrt Richtung Posio standen dann plötzlich zwei Rentiere mitten auf der Fahrbahn. Wir hielten an, Pauline fotografierte, dann trotteten die Beiden zur Seite und liefen noch ein Stück neben unserem Auto her. Bis zum Campingplatz sollten es nicht die Letzten bleiben. Rentiere am Straßenrand wurden nun zur Normalität. Man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran. Fast wie mit den Bisons im Yellowstone-Nationalpark.

Auch zu unserem Roadtrip durch den Yellowstone Nationalpark haben wir euch einen Reisebericht mitgebracht!

Am Lomakeskus Himmerki bei Posio hatten wir eine der einfachen Dreieckshütten für drei Nächte gebucht. Dort angekommen, war jedoch die Rezeption verwaist. Wir wählten die dort aushängende Rufnummer und ein älterer Herr machte sich auf den Weg. Und dann kam der Moment, der uns wirklich überrascht hatte. Der Herr meinte, die einfachen Hütten sind noch nicht für die Saison vorbereitet, er gibt uns ein Upgrade. Und was für eines das war. Wir erhielten eine der Holzvillen am Platz. Zwei Schlafzimmer, Küche, Bad, zwei Badezimmer, Sauna, Terrasse mit Seeblick, Balkon und so weiter und so weiter. Und das zum Preis der einfachsten Hütte. Manchmal zahlt sich Vorsaison doppelt aus, dachten wir.

Blick von der Terrasse auf den See unterhalb unserer „Hütte“

Für die nächsten Tage wurde somit die „Hütte“ zu unserem Basislager von wo aus wir Ausflüge in die umliegenden Nationalparks unternahmen.

Julma-Ölkky, der Canyon im Hossa-Nationalpark

Für den ersten Ausflug klingelte der Wecker früh, denn bis zum Hossa-Nationalpark waren es rund anderhalb Stunden Fahrt, plus die letzten acht Kilometer Schotterpiste. Ziel war der Julma-Ölkky, ein schmaler Canyonsee, über den sich eine Hängebrücke spannt.

Der erste Teil der Wanderung war ein Genuss, dank breiter und gut ausgebauter Wege kamen wir gut voran. Immer wieder konnten wir Blicke in den Canyon hinunter werfen, dazu kam die Sonne raus und es wurde mit 17 Grad regelrecht warm. An der Hängebrücke stiegen wir hinunter, liefen hinüber und zurück und machten anschließend oben an der Kante eine Pause. Nach unserer Pause zeigte der Wanderweg sein zweites Gesicht. Hinter dem Ende des Canyons wurde es matschig, Bohlenbretter lagen nur stellenweise aus und so umkurvten wir Schlammloch für Schlammloch. Ein Abschnitt über Bohlen durch ein offenes Moor war zum Glück schon bereit und diese Passage blieb uns als besonders schön in Erinnerung. Doch das ständige Auf und Ab auf nassen und rutschigen Pfaden zog sich. Komoot stufte die Runde als „sehr schwer“ mit nötigen alpinen Kenntnissen ein, so weit würden wir nicht gehen, aber unterschätzen sollte man die knapp 12 Kilometer nicht. Wir haben knapp fünf Stunden gebraucht, eine Stunde länger als kalkuliert.

Und dann war da noch etwas, was man durchaus als Anfängerfehler bezeichnen könnte, denn wir hatten unsere Zusatzflasche Wasser im Auto vergessen. Ist uns natürlich erst im Laufe der Tour aufgefallen und dank der unerwarteten Sonnenintensität hatten wir mehr Durst als gedacht. So mussten wir unser Wasser am Ende etwas rationieren. Ab da waren wir achtsam, hatten immer die Ersatzflasche Wasser dabei und wir spoilern schonmal, denn ab jetzt hatten wir auf jeder Wanderung dieser Reise zu viel Wasser dabei.

Das Highlight der Wanderung, die Hängebrücke über den Canyonsee Julma-Ölkky

Oulanka-Nationalpark, die kleine Bärenrunde

Am nächsten Tag ging es für uns in den Oulanka-Nationalpark, um dort die Pieni Kahunkierros, die kleine Bärenrunde, zu wandern. Dies ist eine der bekanntesten Wanderungen Finnlands. Und das haben wir gemerkt, schon der Wanderparkplatz bei Juuma ist riesig. Selbst in der Vorsaison waren wir hier nie wirklich alleine auf der Tour. Viele Familien mit Kindern und Hunden.

Dafür ist der Weg mustergültig ausgebaut, mit Treppen und Bohlen versehen wo sie gebraucht werden und feiner Kies dazwischen, wenn nötig. Nach der Schlammschlacht vom Vortag kamen wir uns schon fast verwöhnt vor. Die Tour folgt dem Fluss Kitkajoki, der sich hier durch Stromschnellen und über kleine Fälle wälzt. Man quert ihn mehrfach auf Wanderhängebrücken.

Eine Sehenswürdigkeit ist auch die alte Wassermühle Myllytupa. Dort war die Treppe des regulären Weges gesperrt, sodass wir unsere Rundwanderung ab hier sozusagen entgegen der vorgesehenen Route fortsetzen mussten, um die Sperrung am Ende der Wanderung umgehen zu können. Funktionierte problemlos. Weniger schön war der einsetzende Regen, der uns entgegen der Vorhersage, auf dem letzten Kilometer so richtig erwischte. Vor allem Pauline war betroffen, hatte ihre Softshelljacke ja leider keine Kapuze. Nass geworden sind wir beide, der Tour tat das jedoch keinen Abbruch. Wer nur einer Wanderung in der Region Kuusamo machen kann, macht mit der kleinen Bärenrunde nichts falsch.

Auf der kleinen Bärenrunde quert man den Kitkajoki gleich mehrfach, langweilig wird es dabei nie.

Riisitunturi-Nationalpark, Fjell-Feeling und ein Infinitypool

Den dritten Nationalpark der Region, den Riisitunturi-Nationalpark, nahmen wir am Abreisetag von Posio mit. Er lag quasi mehr oder weniger auf dem Weg. Die Landschaft ist hier anders als in den Nationalparks Hossa und Oulanka. Wesentlich offener, karger und fjellartiger. Der Aufstieg auf den namensgebenden Gipfel ging erstaunlich schnell und oben wurden wir mit einem weiten Blick über die Seenlandschaft belohnt. Der Berg ist übrigens nach einem Waldarbeiter benannt, der hier der Legende nach noch als Geist sein Unwesen treiben soll. Getroffen haben wir ihn jedoch nicht, dafür einige andere Wanderer.

Statt direkt wieder abzusteigen, hängten wir noch einen Schlenker zur offenen Schutzhütte an. Unterwegs gab es einen dieser Ausblicke, die man vorher nicht auf dem Schirm hat. Von einem Stapel Bohlen aus blickten wir auf einen kleinen See und direkt dahinter, am Horizont, auf einen großen See. Aus dem richtigen Winkel sah das aus wie ein natürlicher Infinitypool. Doch auf dem Schlenker kam uns die Vorsaison wieder in die Quere, denn der Wanderweg war noch nicht vorbereitet, die Bohlen lagen noch gestapelt am Wegesrand. So wurde es, nach Schneeschmelze und Dauerregen, doch eine nasse und matschige Angelegenheit. Mit gut fünf Kilometern ist die Wanderung die Kürzeste der drei Nationalparks gewesen. Trotzdem war es eine schöne Tour, die wir auf jeden Fall weiterempfehlen können.

Weitblick auf die Seenlandschaft vom Riisitunturi aus

Rovaniemi – Weihnachtsmann bei 20 Grad

Von Posio aus fuhren wir weiter nach Rovaniemi und überquerten dabei zum ersten Mal in diesem Urlaub den Polarkreis. Standesgemäß taten wir das am Santa Claus Village, und, nun ja: Wie soll man das diplomatisch sagen? Das Dorf ist im Kern eine Ansammlung von Souvenirshops, das Büro des Weihnachtsmanns inklusive. Bei 20 Grad und Sonnenschein, so warm war es im ganzen Urlaub bis dahin nicht, will einfach keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Wir sind sicher, dass das im Winter mit Schnee, Polarnacht und Lichterketten eine komplett andere, stimmige Welt ist. Im Sommer ist es vor allem skurril. Immerhin, den Polarkreis-Moment nimmt uns keiner mehr.

Deutlich mehr überzeugt hat uns das Arktikum, das Museum zur Geschichte und Natur Lapplands. Die Ausstellungen sind toll aufbereitet, viele Exponate sogar mit deutscher Beschriftung. Wir haben dort einiges gelernt. Etwa, dass die deutschen Besatzer Rovaniemi im Zweiten Weltkrieg niedergebrannt haben und die Stadt beim Wiederaufbau so angelegt wurde, dass die Hauptstraßen ein Rentiergeweih nachbilden. (Ehrlicherweise: Wir haben das Geweih auf keiner Karte erkennen können, so sehr wir es auch versucht haben. Falls es jemand findet, gerne Bescheid geben.) Auch das Gebäude selbst mit seinem langen, gläsernen Gang ist sehenswert; im Inneren ist vieles aus lappländischen Materialien gefertigt, die Sitzgelegenheiten etwa aus Rentierleder.

Ein Regentag zwang uns hier ohnehin zur Pause, und im Nachhinein war Rovaniemi der richtige Ort dafür: Museum, Spaziergang am Fluss Kemijoki, ein Blick auf die Holzfällerbrücke mit ihren markanten Leuchtfackeln und eine renovierte Motel-Hütte mit eigener Küche, in der sich der Regen gut aussitzen ließ.

Bei 20 Grad Celsius überquerten wir in Rovaniemi den Polarkreis

Naturreservat Martimoaapa – auf Bohlenbrettern durchs Moor

Auf dem Weg von Rovaniemi zur Küste legten wir noch eine Wanderung ein. Das Naturreservat Martimoaapa lag dafür verkehrstechnisch sehr günstig und so beschlossen wir, die gut 14 Kilometer lange Tour in eines der größten Moor- und Sumpfgebiete Finnlands zu unternehmen. Man geht fast ausschließlich auf Bohlenbrettern, bis auf die wenigen Waldpassagen. Wanderstöcke sind daher eher hinderlich, man bleibt damit nur zu gerne in den Lücken der Bohlen stecken. Pauline hat das extra für euch ausprobiert.

Am Wanderparkplatz stand nur ein weiteres Auto und so waren wir schnell in der Stille und Weite des Moors. Die Sonne schien und es wehte ein leichter Wind, beste Wanderbedingungen sozusagen. In den kurzen Waldabschnitten warteten dafür ganze Heerscharen an Mücken, ohne Mückenspray braucht man also gar nicht erst losziehen. Unterwegs sahen wir in der Ferne zwei Schwäne und wenig später, direkt neben dem Bohlenweg, ein einzelnes Schwanenküken. Ob die Eltern es vergessen haben? Wir hofften auf ein Happy End und auf dem Rückweg war das Kleine nicht mehr an Ort und Stelle.

Ein kurzes Stück hinter einer Wasserquelle machten wir dann kehrt und wanderten wieder zurück zum Auto. Man könnte das Moor auch komplett durchwandern, dann muss man jedoch den Transport zurück zum Auto organiseren.

Kilometerlanges Wandern auf Bohlenbrettern im Naturreservat Martimoaapa

Wechsel von Finnland nach Schweden

In Tornio, der finnischen Grenzstadt, übernachteten wir ein letztes Mal in Finnland. Die Hütte lief unter dem Motto, geht für eine Nacht. Den darauffolgenden Regentag nutzten wir dann als reinen Fahrtag. Einmal über die Grenze nach Haparanda und ab da folgten wir der E4. Diese Küstenstraße folgt der schwedischen Ostküste entlang nach Süden. Keine Autobahn, aber gut ausgebaut mit regelmäßigen zweispurigen Überholabschnitten, dafür gespickt mit fest installierten Blitzern.

Eine schwedische Besonderheit hat uns dabei länger beschäftigt. Immer wieder schlichen Autos mit 30 km/h vor uns her, oft mit fehlenden oder verpixeltem Heckkennzeichen. Die Recherche ergab, dass das sogenannte A-Traktoren sind. Ganz normale Autos, auf 30 km/h gedrosselt, dürfen in Schweden innerorts und auf Nebenstraßen auch außerorts schon von 15-Jährigen gefahren werden. Als Konzept nachvollziehbar, für den Verkehrsfluss eine Geduldsprobe. Der Höhepunkt war ein Audi A6 mit Drei-Liter 6-Zylinderdiesel, gedrosselt auf Mofa-Niveau.

Unser Etappenziel war Gullviks Havsbad südlich von Örnsköldsvik, wo der Hüttenschlüssel unkompliziert im Briefkasten auf uns wartete. Die Hütte selbst war klein, karg und funktionial mit steinharten Betten. Dafür wurden wir auf der Zufahrt zum Campingplatz in den beiden folgenden Tagen jeweils von einem Fuchs begrüßt.

Skuleskogen Nationalpark – unser Favorit an der Höga Kusten

Im Skuleskogen Nationalpark unternahmen wir dann eine Wanderung, die am Ende unser gemeinsamer Urlaubsfavorit wurde. Vom Südeingang aus kombinierten wir die orangene und die blaue Route zu einer Runde von knapp 13 Kilometern und bekamen dadurch so ziemlich alles geboten, was eine Wanderung haben kann.

Es begann gemütlich auf Bohlen durch den Wald, vorbei an einem Wasserfall mit Brücke. Dann wurde es felsiger und steiler, bis wir über ausgedehnte Felsplatten auf das Gipfelplateau des Slåttdalsberget stiegen. Der Blick von oben auf die Ostsee mit den unzähligen kleinen Inseln war großartig. Der Abstieg auf der anderen Seite hatte es dann in sich. Wir nutzten dafür ein Drahtseil im Fels, an dem man klettersteigartig hinuntersteigt. Langsam und mit Bedacht hat das gut geklappt.

Vom Slåttdalsberget reicht der Blick weit über die Inselwelt der Höga Kusten.

Direkt darunter wartet die Slåttdalsskrevan, eine spektakuläre scharf eingeschnittene Felsspalte. Durchwandern darf man sie leider wegen Steinschlaggefahr nicht mehr, aber schon der Blick hinein vom Eingang aus ist beeindruckend. Ein rund 40 Meter tiefer Schnitt, als hätte jemand den Berg mit dem Beil geteilt.

Als hätte jemand den Berg gespalten: die Slåttdalsskrevan.

Die Pause machten wir an der Tärnättstugan, einer offenen Hütte mit Bank, Sonne und Seeblick, ehe wir noch zur Höhle Tärnättgrottan kletterten. Dort mussten wir einem älteren Paar mit Kartenproblemen den Weg erklären. Der Herr bestand darauf, es müsse hier zwei Abstiege geben. Es gab genau einen, blau markiert, sehr steil und voller Geröll. Der letzte Abschnitt führte dann auf dem Küstenweg durch dichten Wald direkt an der Ostsee entlang, vorbei an Badeplätzen, Sandstränden und Hütten. Nach knapp fünfeinhalb Stunden saßen wir wieder im Auto und waren uns einig. dass es eine abwechslungsreiche, fordernde aber wunderschöne Wanderung war.

Höga Kusten, Härnösand, Sundsvall und ein Türrahmen mit Folgen

Auf dem weiteren Weg nach Süden sammelten wir Aussichtspunkte. Erst die Högakustenbron, eine Hängebrücke, die nicht zufällig an die Golden Gate Bridge erinnert, nur eben etwas kürzer, niedriger und schmaler, dafür mit deutlich weniger Nebel. Dann der Aussichtsturm Vårdkasen über Härnösand, von dem aus wir bei bestem Wetter auf Stadt, Ostsee und ein vor Anker liegendes Kreuzfahrtschiff blickten. Und schließlich der Turm auf dem Norra Berget über Sundsvall, von dem aus wir vor allem die nächste Regenfront im Anmarsch sahen.

In Hudiksvall bezogen wir auf dem Malnbadens Camping eine Hütte in einer charmant angelegten Reihe. Die Hütten stehen dort wie an einer kleinen Fußgängerzone, Autos bleiben außen vor. Sehr idyllisch. Weniger idyllisch waren jedoch die niedrigen Türen. Ich habe mich exakt einmal nicht tief genug gebückt und bin mit voller Wucht mit dem Kopf gegen den Türrahmen geknallt. Schürfwunde, Kopfschmerzen, kurz Sterne gesehen. Pauline übernahm die Erstversorgung und wir beschlossen, das zu beobachten.

Am nächsten Morgen war klar: Heute wird nichts. Kopfweh, dazu rebellierte auch noch mein Magen, und so haben wir das bereits gebuchte Airbnb in Stockholm schweren Herzens gecancelt, die Hütte um eine Nacht verlängert und einen kompletten Ruhetag eingelegt. Stockholm wandert damit auf die Liste für ein anderes Mal. Im Rückblick war das die richtige Entscheidung.

Der lange Weg nach Süden und ein Kurzbesuch in Dänemark

Wieder halbwegs hergestellt, machten wir Strecke. Über 700 Kilometer an einem Tag, von Hudiksvall bis kurz vor Värnamo, wo uns auf dem Flatens Camping eine rustikale Hütte mit direktem Seeblick erwartete. Abendessen auf der Mini-Terrasse, ein stiller See, kaum Menschen und somit ein versöhnlicher letzter Abend in Schweden.

Die Heimreise legten wir dann über Dänemark, wegen der Brücken, und weil wir die Rückfahrt auf zwei Etappen mit zwei Nächten auf Fünen strecken wollten. Die Öresundbrücke von Malmö nach Kopenhagen ist schon von Weitem ein beeindruckendes Bauwerk, die Storebæltbrücke legte gleich nach. Die Mautzahlung lief bei uns automatisch über den Brobizz-Transponder, der bei jeder Durchfahrt brav einmal piept, deutlich entspannter als Kleingeld- oder Kartengefummel an der Mautstation.

Auf Fünen bezogen wir für zwei Nächte eine große Hütte bei First Camp Skovlund mit Meerblick-Parzellen und Pool und mit einer Fliegenpopulation im Inneren, die von der letzten Reinigung übersehen worden war. Ich bin mit dem Flip-Flop auf die Jagd gegangen und wir haben gewonnen, aber es war knapp.

Von hier aus erkundeten wir die Gegend am Kleinen Belt: den Leuchtturm von Strib mit Blick auf die Meerenge und ihre sichtbar reißende Strömung (Schwimmen verboten, und man versteht sofort, warum), den Yachthafen mit erstaunlich vielen Quallen, das Naturcenter Hindsgavl mit einem herrlichen Waldweg am Belt entlang bis zur alten Lillebæltbrücke von 1935. Dort kann man übrigens für kleines Geld auf öffentlichen Shelterplätzen übernachten. Feuerstelle und Toilette inklusive, alles top in Schuss. Und wer schwindelfrei ist, kann beim „Bridgewalk“ angeleint oben über die Stahlträger der alten Brücke laufen. Wir haben dankend verzichtet und sind klassisch drübergefahren. Das emotionale Highlight des Dänemark-Abschnitts gehörte allerdings Pauline. Dänisches Softeis, aufgetrieben in einer Bäckerei in Brenderup, in einer Größenordnung, die gute zwanzig Minuten Schleckarbeit erforderte.

Auf dem Rückweg nach Deutschland legten wir unseren traditionellen Stopp in Dänemark ein.

Mit dem E-Auto durch Skandinavien – Unsere Erfahrungen

Vorab die Kurzversion für alle, die zögern. Es war komplett unkompliziert. Wir sind über 5.000 Kilometer elektrisch gefahren und mussten im gesamten Urlaub genau ein einziges Mal auf eine freie Ladesäule warten, ausgerechnet in Dänemark, und auch da nur wenige Minuten.

Ein paar Erkenntnisse im Detail:

Das Ladenetz entlang unserer Route war durchgehend gut. Wir haben überwiegend bei Ionity geladen und dafür vorab den Power Pass gebucht, weil unsere sonstige Ladekarten-Lösung nur in Deutschland günstige Preise liefert. Mit dem Abo zahlten wir in Finnland 24 Cent pro Kilowattstunde, in Schweden 32 und in Dänemark 29 Cent. Preise, die wir uns auch für Deutschland wünschen würden. Kurios wird es beim finnischen Lidl: Dort haben wir für 29 Cent DC-geladen. Das ist ungefähr das, was Lidl in Deutschland fürs langsame AC-Laden aufruft. Und das völlig ohne Abopflichten.

Die niedrigen Tempolimits samt Blitzerdichte haben einen angenehmen Nebeneffekt: Der Verbrauch sinkt spürbar, bei uns auf rund 13 kWh pro 100 Kilometer. Die Reichweitenangst kann man in Finnland also getrost zu Hause lassen. An einem kalten, verregneten Tag in Schweden haben wir das Vorkonditionieren des Akkus vergessen und standen entsprechend länger an der Säule. Und einmal mussten wir unterwegs umplanen, weil Wind und Regen mehr Strom fraßen als gedacht, mit dem dichten Ladenetz war das aber nie mehr als eine kleine Routenkorrektur.

Praktisch fanden wir auch, dass Ladestopps und Einkäufe sich fast immer kombinieren ließen. Die Schnelllader stehen auffallend oft direkt neben Supermärkten. Apropos: Der kleine, aber feine Kulturunterschied zwischen Finnland und Schweden zeigt sich auf der Kundentoilette. In Finnland gehört sie zum Supermarkt wie die Pfandautomaten, in Schweden sucht man sie meist vergeblich.

Warum wir das Zelt komplett umsonst dabei hatten

Ja, wir hatten ein Zelt dabei und nein, wir haben es kein einziges Mal aufgebaut. Anfangs war uns das Wetter schlicht zu nass und zu kalt und danach hatten wir uns ehrlicherweise an die Campinghütten gewöhnt. Das Hüttensystem auf den skandinavischen Campingplätzen ist für einen flexiblen Roadtrip wie gemacht. Fast überall findet man Hütten für überschaubares Geld, meist mit Kühlschrank und Heizlüfter. Das in Kombination mit Campingküchen und meist sauberen Sanitärgebäuden ist schon ein Komfortgewinn zum Zelt. Schlafsack hatten wir ohnehin selbst dabei, Bettlaken in weiser Voraussicht ebenfalls.

Gebucht haben wir fast alles spontan, oft erst am selben Tag über Booking oder telefonisch. In der Vorsaison ist das überhaupt kein Problem und für unsere wetterabhängige Nicht-Planung ideal. In der Hochsaison ist uns nicht ganz klar, ob man sich darauf verlassen kann.

Für den nächsten Skandinavientrip steht das Zelt somit noch zur Debatte, aber Klappstühle und Klapptisch bleiben sicher zuhause. Wichtig war vor allem Mückenspray, die Regenjacken und Sonnencreme. Letztere überraschend oft.

Was wir über die Vorsaison gelernt haben

Reisen Ende Mai / Anfang Juni durch Finnland und Schweden heißt, dann man die Natur fast für sich allein bekommt. Zahlt dafür jedoch gegebenenfalls mit Wetter-Roulette. Wir hatten alles dabei, von 10 Grad mit Dauerregen und Hagel bis zu 20 Grad Sonne am Polarkreis. Unsere Strategie, die Route konsequent dem Wetterbericht hinterherzuplanen, ist voll aufgegangen, kostet aber Flexibilität bei den Wunschzielen: Der Koli-Nationalpark und Stockholm sind dem Wetter beziehungsweise dem Türrahmen zum Opfer gefallen.

Dazu kommt, dass manche Infrastruktur noch schläft. Bohlenwege, die erst als Plankenstapel neben dem Pfad liegen, gesperrte Treppen, Campingplätze mitten in Bauarbeiten, Rezeptionen, die nur auf Anruf öffnen. Uns hat das nie wirklich gestört, im Gegenteil, es hat uns ein Villen-Upgrade beschert. Aber man sollte mit einer gewissen Improvisationsbereitschaft anreisen. Und mit Mückenspray. Die Mücken halten sich nämlich an keine Saison.

Hell ist es übrigens auch Ende Mai fast rund um die Uhr: In Mittelfinnland ging die Sonne gegen halb elf unter, weiter nördlich wurde es praktisch gar nicht mehr dunkel. Wer lichtempfindlich schläft, packt eine Schlafmaske ein.

Unser Fazit

Dieser Roadtrip war anders als unsere bisherigen Skandinavien-Reisen. Weniger Programm, mehr Treibenlassen, und am Ende genau deshalb so erholsam. Finnland hat uns mit seinen Nationalparks und der grandiosen Wander-Infrastruktur restlos überzeugt. Schutzhütten, Feuerholz und Trockentoiletten mitten im Nirgendwo sind ein toller Service. Schweden lieferte mit dem Skuleskogen die beste Wanderung des Urlaubs, und Dänemark bewies, dass auch eine Rückreise Urlaubsqualität haben kann.

Unsere Highlights in der Rückschau:

Der Skuleskogen-Nationalpark mit Gipfel, Felsspalte, Klettersteig-Einlage und Küstenweg – unser gemeinsamer Favorit.

Skuleskogen – Für uns die beste Wanderung des Urlaubs

Die Hängebrücke über dem Julma-Ölkky und die Bohlenwege durch die Moore von Martimoaapa – Landschaften, wie wir sie vorher noch nie gesehen hatten.

Hängebrücke über dem Julma-Ölkky

Die ruhige Fährüberfahrt mit Ostsee-Sonnenuntergang und unser Hütten-Upgrade am See von Himmerki – die beiden Momente, in denen dieser Urlaub sich am meisten nach Geschenk angefühlt hat.

Abendstimmung am See vor unserer „Villa“ in Posio

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