Roadtrip Baltikum Tag 10: Narwa – Grenze zu Russland

Roadtrip Baltikum Tag 10: Narwa – Grenze zu Russland

Der Wetterbericht verhieß für heute nichts gutes. Es war Regen gemeldet, welcher mindestens bis zum späten Nachmittag anhalten sollte. Für einen Campingtrip nicht unbedingt perfekt, aber mit solchen Tagen muss man eben rechnen, wenn man in den Norden Europas fährt. Von unseren Plänen für heute wollten wir uns dennoch nicht abbringen lassen. Es sollte nach Narwa an der Grenze zu Russland gehen. Die Landesgrenze zwischen Estland und Russland ist zugleich eine EU-Außengrenze.

Entlang der Ostseeküste in Richtung Grenze zu Russland

Nach dem Frühstück stiegen wir ins Auto und fuhren entlang einer kleinen Küstenstraße in Richtung Osten. Immer auf Narwa und die Grenze zu Russland zu. Die Straße schlängelte sich entlang der Steilküste und wir nutzten die erste Gelegenheit am Strand von Toila und fuhren hinab ans Meer.

Estlands Ostseeküste mit Kiesstrand
Kiesstrand an der estnischen Ostseeküste im Norden

Bei Wind und tröpfelndem Regen liefen wir ein wenig am Kiesstrand entlang. Das Meer war gelinde gesagt recht frisch und kalt, an Baden war da nicht zu denken.  Aber auch hier waren Fitnessgeräte aufgestellt, welche wir für ein paar Übungen nutzten um uns aufzuwärmen.

Zwischenstopp in Sillamäe

Von Toila ging es weiter die Küstenstraße entlang, bis wir in Sillamäe ankamen. Während der Sowjetunion war diese Stadt eine geschlossene Stadt, was bedeutete, dass Ausländer keinen Zugang erhielten. Die Stadt tauchte auch auf keinen Landkarten auf. Grund dafür war die dort angesiedelte Rüstungsindustrie.

Auch heute noch ist der stalinistische Baustil zu erkennen, aber auch die typischen Plattenbauten aus Ziegeln statt Beton. Vom Rathaus, wo wir unser Auto abstellten, spazierten wir am ehemaligen Kino vorbei in Richtung Meer. Gärtner waren gerade dabei die Promenade mit Blumen für den nahenden Sommer vorzubereiten. Und mit Sicherheit sieht es dann bei sonnigem Wetter noch besser aus.

Blick auf das Stadtzentrum Sillamäes in Estland
Blick entlang der Promenade Sillamäes in Richtung Meer

Schon jetzt gefiel uns die angelegte Promenade, auch wenn sie nicht über den augenscheinlich maroden Zustand der Häuser hinwegtäuschen konnte. Da haben wir in Estland bereits Städte gesehen, welche in Bezug auf Sanierung und Renovierung von Wohnhäusern deutlich weiter waren.

Wohnhäuser in Sillamäe
Wohnhäuser in Sillamäe nahe des Stadtzentrums

In Narwa an der Grenze zu Russland

Nach unserem kurzen Spaziergang wurde es uns dann bald zu kalt und wir fuhren weiter. Endlich gelangten wir nach Narwa an der Grenze zu Russland. Wir parkten erst unterhalb der Herrmannsfeste, suchten doch noch einmal nach einem anderen Parkplatz und parkten am Ende doch wieder am gleichen Ort. Fast wären wir auch noch auf die Grenzbrücke gefahren, was ohne russisches Visum und wirklichen Einreisewillen den Tag hätte negativ enden lassen.

Entlang der EU-Promenade schlenderten wir den Grenzfluss hinauf und blickten dabei gespannt hinüber auf Russland und die feste Grenze an der Brücke. So etwas ist man als in der EU aufgewachsener junger Mensch kaum noch gewöhnt. Grenzzäune, Sicherungen, Kontrollen und dazugehörige Staus. Ein  seltsames und spannende Gefühl hier an der Außengrenze der EU zu stehen.

Hermannsfeste und Grenze zu Russland in Narwa
Die Hermannsfeste hoch über der Grenze zu Russland. Gegenüber die russische Festung Iwangorod.

Über uns war dabei immer die Hermannsfeste zu sehen und gegenüber auf der russischen Seite die Festung Iwangorod. Die beiden Grenzburgen liegen sich genau gegenüber. Irgendwie fanden wir keinen richtigen Zugang zum Burggelände und liefen lieber noch etwas am Grenzfluss, der Narwa, entlang. Gerade noch rechtzeitig kamen wir am Auto an, denn kaum saßen wir innen, fing es wie aus Eimern an zu regnen. Da wären wir definitiv komplett durchnässt worden. Bei Rimi holten wir uns noch einen Snack für Mittag.

Noch einmal fuhren wir in Richtung Norden ans Meer. Genauer gesagt zum Badeort Narva-Jöesuu, welcher seine besten Zeiten jedoch schon hinter sich zu haben scheint. Die ganze Siedlung lag mitten im Wald und ein wenig durch die Straßen zu fahren machte Spaß, aber ein Highlight war das auf keinen Fall.

Auf Höhe unseres Campingplatzes war es dann noch etwas zu früh um schon zurückzukehren, sodass wir spontan weiter nach Rakvere fuhren. An der Burg dort hatten wir ja gestern kein Glück gehabt.

Bei der Burg von Rakvere

Parken konnten wir unterhalb der Ordensburg von wo aus auch Treppenstufen den steilen Berg hinaufführten. Doch zuerst mussten wir vorbei an einem schwedischen Wohnmobil voller bellender Hunde. Überall sah man sie, sogar im Bett.

Ordensburg von Rakvere in Estland
Die Ordensburg von Rakvere auf ihrem Burghügel

Der Eintritt hätte pro Person 9 Euro gekostet und es wimmelte nur so von Schulklassen, sodass wir uns dagegen entschieden hineinzugehen. Stattdessen umrundeten wir die Burg einmal zu Fuß und konnten sie so aus verschiedenen Blickwinkeln ansehen. Auch die nahegelegene Stierskulptur war eigenartig anzusehen, da sie doch recht lebensecht nachgebildet war. Für einen kleinen Spaziergang ist die Burg von Rakvere demnach zu empfehlen, das eigentliche Angebot dort können wir aber nicht beurteilen.

Zurück am Campingplatz trudelten dann nach und nach neue Camper ein und es füllte sich langsam. Wir nutzten die Waschmaschine und den Trockner des Platzes und wuschen mal unsere Wäsche. Das schöne an den langen Tagen um diese Jahreszeit ist, dass man selbst nach 20 Uhr noch in der Sonne sitzen kann, die sich endlich auch mal zeigte an diesem sonst so trüben Tag.

Gefahrene Kilometer: 265

Kosten Mereoja Camping: 15,00 € pro Nacht

Weiter geht es mit dem Reisebericht und Tag 11.

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