Roadtrip Baltikum Tag 6: Vilnius an einem Tag

Roadtrip Baltikum Tag 6: Vilnius an einem Tag

Auf in die Hauptstadt Litauens – Vilnius

Heute wollten wir uns die Hauptstadt Litauens ansehen, weshalb wir etwas früher aus unseren Schlafsäcken gekrochen kamen. Bereits kurz nach sechs Uhr morgens waren wir aus unserem Zelt heraus und frühstückten im Holzpavillon neben unserem Zelt. Vilnius an einem Tag war für heute unser Programmpunkt.

Zeitig brachen wir auf und verließen den Zeltplatz mitten im Wald. Es herrschte rege Betriebsamkeit auf der Schotterpiste und es wurde fleißig gebaut. In naher Zukunft wird man den Zeltplatz wohl über eine Asphaltstraße erreichen können. Trotz des einsetzenden Berufsverkehrs kamen wir gut voran und erreichten das zentral gelegene Parkhaus der Stadtverwaltung. Dort konnte man sein Auto bewacht abstellen und das für 1,2 Euro pro Stunde Gebühr. Ausreichend freie Parkplätze haben wir vorgefunden und die Parklücken waren auch nicht zu eng. Das Parkhaus ist also einen Tipp wert, wenn man nicht endlos lange nach freien Parkplätzen suchen will. Für so etwas haben wir im Urlaub nicht den Nerv. 

Historische Gassen in Vilnius
Historische Gassen in Vilnius

Free Walking Tour Vilnius

Vom Parkhaus aus liefen wir den Wegweisern in Richtung der Kathedrale nach und passierten diese, da wir die Touristeninformation dann schon in der Entfernung erahnen konnten. Schon auf dieser kurzen Strecke fielen uns, in Deutschland da noch eher unbekannte, Fahrzeuge auf. Elektroroller. Überall standen die kleinen Gefährte und wurden auch fleißig genutzt. An der Touristeninformation holten wir uns einen Stadtplan und warteten dann an der Town Hall auf den Beginn der Free Walking Tour. Schon in Albanien hatten wir diese Art von Stadtführung genutzt um Tirana kennenzulernen. So viel bereits vor ab, die Free Walking Tour war auch diesmal das ideale Mittel um Vilnius an einem Tag zu erkunden.

Nach einer kurzen Wartezeit waren auch unsere beiden Guides angekommen und wir konnten uns anmelden und wurden unserer Gruppe zugeteilt. Nach und nach kamen mehr Gäste und interessierte Touristen. Martina, unser Guide, sprach hervorragendes Englisch sodass wir sie super verstehen konnten. Wir waren sogar regelrecht beeindruckt, wie locker ihr die Worte über die Lippen kamen.

Von der Town Hall liefen wir durch die engen Gassen der Altstadt und erfuhren so einiges über die bewegte Geschichte von Vilnius. Beispielsweise über die Zugehörigkeit zu Polen, die große jüdische Gemeinde oder die Entstehung des neuen Vilnius mit seinen über 60.000 Studenten.

Passend dazu besuchten wir den Stadtteil der Künstler und alternativen Szene der Hauptstadt. Aus Spaß und Bierseligkeit heraus hat sich der Stadtteil vor über 20 Jahren unabhängig und zur eigenständigen Republik erklärt. Mit Ministern, Verfassung, Armee und Botschaften. Alles was ein Staat eben so braucht. Das ganze Konstrukt ist jedoch mehr als Satire oder Spaß zu verstehen. Einerlei, die Touristen zieht es an und so war das kuriose Viertel auch Teil unserer Tour.

Am Barliament standen überall mehr oder weniger abstrakte Kunstwerke herum, wie zum Beispiel alte Pianos, welche man der Natur überlassen hatte. Auch die Verfassung konnten wir, übersetzt ins Deutsche, an einer langen Mauer ablesen. Dort hängt sie, übersetzt in die verschiedensten Sprachen, aus.

Zentraler Platz mit Engelssäule in Vilnius
Der Engel auf dem goldenen Ei in der „unabhängigen“ Republik

Weiter ging es auf unserer Stadtführung vorbei an vielen Kirchen, Vilnius hat über 40 Stück davon, bis wir wieder auf dem zentralen Platz an der Kathedrale ankamen. Ein interessantes Bauwerk, da der Glockenturm auf ungewöhnliche Art und Weise dem eigentlichen Sakralgebäude vorgelagert wurde.

Weiße Kathedrale von Vilnius mit vorgelagertem Glockenturm
Die Kathedrale von Vilnius mit vorgelagertem Glockenturm

Vor allem auf dem Platz vor der Kathedrale standen überall die Elektroroller von CityBee herum. Es war schon sehr verlockend, diese mal zu testen, aber die Prozedur mit Download einer App, Registrierung mit Kreditkarte, war dann doch zu aufwändig.

Über der Stadt

Vor der Kathedrale endete dann auch unsere zweieinhalbstündige Führung und getreu dem Prinzip der Free Walking Tours, gaben wir gerne etwas Trinkgeld. Während dem Laufen haben wir immer wieder einen Blick auf den nahegelegenen Burghügel werfen können, welchen wir als nächstes ansteuerten.

Burgberg von Vilnius
Steiler Anstieg auf den Burgberg

Nachdem wir in Kaunas weniger Glück hatten und die Standseilbahn nicht nutzen konnten, ich bin ein Fan so alter Fahrzeuge, wollten wir unser Glück erneut versuchen und auf den Burgberg fahren. Doch wieder hatten wir kein Glück, denn Bauarbeiten blockierten unser Vorhaben. Immerhin war der Burgberg zu Fuß erreichbar, weshalb wir uns an den mühsamen Anstieg machten.

Vom Burgturm aus hatten wir einen tollen Blick auf die Skyline von Vilnius, auf die startenden und landenden Flugzeuge, aber auch auf Bausünden aus kommunistischen Zeiten.

Vilnius an einem Tag erkunden war uns Plan und den hatten wir vorerst erfüllt. Sicherlich kann man in dieser Stadt auch mehrere Tage problemlos verbringen ohne sich zu langweilen. Doch Städtetrips liegen nicht unbedingt im Fokus unserer Reisen, somit sind wir zufrieden damit, einen ersten Eindruck gewonnen zu haben.

Am geografischen Mittelpunkt Europas

Unser nächstes Ziel war der geografische Mittelpunkt Europas, welcher sich einige Kilometer nördlich von Vilnius befindet. Nahe eines Golfplatzes, fanden wir den Mittelpunkt. Er war markiert mit einer einfachen Windrose und einer Säule. Mehr gab es hier nicht zu sehen. Klar, was sollte es hier auch Tolles geben, aber naja immerhin können wir nun sagen, dass wir am geografischen Mittelpunkt Europas waren. Und das obwohl wir uns schon so weit östlich wähnten. EU ist eben nicht gleich der europäische Kontinent.

Säule am geografischen Mittelpunkt Europas in Litauen
Am geografischen Mittelpunkt Europas

Wir kämpften uns durch den dichten Berufsverkehr zurück auf unseren Campingplatz, die niederländische Exklave im Wald und gingen den Abend gemütlich an. Neben einem Spaziergang über das Gelände des Platzes, nutzten wir auch wieder die Gasküche im Holzpavillon um für uns zu kochen.

Blockhaus am Campingplatz Harmonie nahe Vilnius
Zentrales Blockhaus des Zeltplatzes

Zu guter letzt planten wir unseren weiteren Reiseverlauf. Eine Regenfront stand uns bevor uns so entschieden wir uns, morgen einen Fahrtag einzulegen. Von Vilnius aus wollen wir bis in den Norden Estlands fahren. Ohne Autobahnen und mit niedrigen Tempolimits wird das seine Zeit dauern.

Gefahrene Kilometer: 146

Kosten Camping Harmonie: 15,00 € pro Nacht

Weiter geht es mit dem Reisebericht und Tag 7

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