Roadtrip USA – Tag 14: Panne in den Imperial Sand Dunes

Roadtrip USA – Tag 14: Panne in den Imperial Sand Dunes

Heute Nacht war es wieder etwas frischer als die Nächte davor und morgens war der Rasen und unser Zelt leicht feucht. Doch glücklicherweise kam die Sonne heraus und wir konnten unser Zelt an eine Stelle am Campground tragen, wo es vor sich hintrocknen konnte. Das hat gut funktioniert und wir haben in der Zwischenzeit gefrühstückt. Viel Zeit haben wir uns dennoch nicht gelassen und deshalb im Stehen gefrühstückt, danach das Auto beladen und San Diego somit sehr zügig in Richtung der Imperial Sand Dunes verlassen.

Pech und Leichtsinn in den Imperial Sand Dunes

San Diego haben wir recht schnell hinter uns lassen können und unsere Fahrt durch das Imperial County in Richtung Arizona fortgesetzt. Unser erstes Ziel waren die Imperial Sand Dunes. Dort wollten wir uns ein ATV, eine Art Quad, mieten und etwas durch die Dünenlandschaft fahren. Doch es kam alles anders als geplant. Leider.

An einem Vista Point haben wir kurz angehalten und die Aussicht auf die herrlichen großen Dünen genossen. Bereits die ersten ATV-Fahrer konnten wir beobachten wie sie durch den Sand fegten. Es sah nach reichlich Spaß aus. Vor allem mir machte das Lust auf Selbstfahren und ich konnte es im Grunde gar nicht mehr erwarten selbst ans Steuer dieser Geländefahrzeuge zu gelangen.

Das Unglück nahm seinen Lauf

Wir verließen den Vista-Point wieder über die Stichstraße, die zum Teil von Sand verweht war. Aber regelmäßig wird dieser durch Räumfahrzeuge zur Seite geschoben. Die ATV-Rentals waren etwas abseits der Hauptstraße und nur über eine Schotterpiste zu erreichen. Wir überlegten kurz, aber dadurch dass auch andere Autos dort parkten, fuhren wir auf die sandige Piste. Anfangs lief alles noch problemlos und dann nahm das Unglück seinen Lauf.

Ich wollte nach rechts zu dem vermeintlichen Rental-Gebäude abbiegen und habe zu früh eingelenkt. Auf einmal waren wir nicht mehr auf der gehärteten Piste unterwegs sondern im losen Sand. Sekunden später ging nichts mehr und wir hatten uns festgefahren. Ich legte den Rückwärtsgang ein, der Motor heulte auf, die Vorderräder drehten durch und wir hingen fest. Verdammter Mist. Die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich. Zum einen ärgerte ich mich über meinen Leichtsinn überhaupt auf diese Sandpiste abgebogen zu sein, zum anderen sah ich vor meinem Auge schon das plötzliche Ende der Reise heraufziehen. Denn eine Bergung durch unseren Autovermieter würde wohl unser Budget drastisch reduzieren. 

Wir stiegen aus und begutachteten die Situation, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Unser Auto steckte fest. Die Hinterräder waren nur einen halben Meter von der festen Piste entfernt. Nichts ging mehr. Pauline übernahm das Steuer und versuchte rückwärts zu fahren, während ich von vorne schob. Doch nichts zu machen. Die Vorderreifen bekamen einfach keinen Grip auf dem Sand. So standen wir hier nun, bei über 30°C, ohne Schatten und mit einem im Sand festgefahrenen Mietwagen. Fernab von asphaltierten Straßen.

Glück im Unglück

Die Option unseren Vermieter anzurufen, wollten wir nur im Notfall eingehen so überlegten wir, was wir nun noch unternehmen könnten.

Pauline schlug vor Hilfe zu suchen. Wir liefen zu den nahegelegenen Wohnwägen und haben am erstbesten angeklopft. Eine Frau kam heraus und wir schilderten ihr unser Problem. Sie selbst konnte uns nicht helfen, hat aber ihren Mann geholt der uns gerne unterstützen wollte. Er holte sein ATV und meinte er zieht uns raus. Am Wagen angekommen, gab es aber keine Möglichkeit das Abschleppseil anzubringen. Wir fanden einfach keine und die Verkleidungen waren alle aus Plastik. Viel zu schwach befestigt um uns rauszuziehen. Er konnte uns nicht weiterhelfen und musste außerdem los. 

Wieder auf uns allein gestellt, haben wir versucht den Sand um die Reifen herum wegzuschaufeln. Dann sammelten wir große Sperrholzbretter zusammen, die hier verstreut herumlagen. Diese legten wir unter die Reifen in der Hoffnung, dass wir so etwas Grip bekämen. Zur Not wollten wir uns so bis zur Piste hinarbeiten.

Zwischenzeitlich kam ein junger Mann mit seinem Pick-Up-Truck vorbei und half und bei dem Versuch mit den Brettern. Leider schlugen unsere Befreiungsversuche fehl und unser Auto steckte noch immer fest im Sand. Er blickte dann unter unser Auto und fand eine Metallstrebe, ich vermute die Achse oder etwas an der Karosserie. Dort wollte er seinen Abschlepphaken anbringen und uns mit seinem Truck herausziehen. Nur ob sein Auto genug Leistung dafür hatte war ihm nicht ganz sicher. Doch dann ging alles ganz schnell und wir hatten wir Glück im Unglück. Ein weiterer Mann kam hinzu mit seinem großen Super-Duty-Pick-Up. Wir verbanden unser Auto mit seinem und wirklich ganz sanft zog er unser Auto zurück auf die Piste und somit auf befahrbaren Boden.

Um nicht wieder einzusinken hat er dann sogar noch unser Fahrzeug gewendet, denn er kennt die festen Stellen natürlich.

Wir wollten den Helfern noch ein Mittagessen im nahen Diner ausgeben, aber sie haben abgewunken, weshalb wir nach einer herzlichen Verabschiedung wieder auf der Straße waren.
Auf Sand und ATV fahren hatten wir keine Lust mehr, wir waren froh, heil aus der Sache rausgekommen zu sein und wollten jetzt Strecke machen.

Bilder unserer Sandaktion gibt es leider keine. In diesem Moment war uns wohl beiden nicht danach und wir waren wirklich heilfroh, dass alles nochmal gut ausging.

Center of the World in Felicity

Die ersten Meilen nach den Imperial Sand Dunes fuhren wir noch etwas zögerlich, doch das Auto fuhr sich problemlos und ganz offensichtlich ist nichts beschädigt worden. Aber für den restlichen Urlaub sind wir etwas vorsichtiger geworden, was das Fahren auf unbefestigten Straßen anbelangte. Zum ersten Mal haben wir daran gedacht, ob nicht ein SUV die bessere Wahl gewesen wäre. Aber auch die haben nur Straßenbereifung und wären im Sand ohne Grip gewesen.

Unser nächstes Ziel war das Center of the Word in Felicity, wo es auch glühend heiß war. Dort angekommen hat die ältere Dame an der Kasse darauf bestanden uns den Film zu zeigen und uns in der Pyramide auf dem Zentrum der Welt zu fotografieren.

Vor einiger Zeit hat Jacques-Andre Istel Land in der Umgebung von Felicity gekauft und sich dann eine Stelle auf diesem Gebiet von den Behörden als das Zentrum der Welt bestätigen lassen. Das ganze ist natürlich nicht wissenschaftlich fundiert, sondern basiert auf einem Märchen, das von Istel selbst geschrieben wurde.

Um das ganze vermarkten zu können hat er einige Gebäude dort errichtet. Zum einen die Pyramide über dem Zentrum und gegenüber eine Kapelle auf einer Anhöhe. Dazwischen stehen lange Reihen Marmorblöcke, mit verschiedensten Dingen graviert. Zum Teil über Wissenschaft, Kriegsveteranen und Schulklassen. Aber für 300$ kann man sich auch auf einem der Blöcke eingravieren lassen.

Das ganze Gelände ist eigentlich schön symmetrisch angelegt und die Geschäftsidee ist auch irgendwie kurios, denn das Center of the World hätte man überall hinlegen können. Meinten zumindest die beiden Betreuer des Museums.

Wir sind dann noch etwas durch die Reihen spaziert, welche alle mit verschiedensten Inhalten graviert sind, und haben unsere Urkunden abgeholt, um auch belegen zu können, dass wir dagewesen waren. Alles in allem eine arg skurrile Touristenattraktion und sicher nicht für einen längeren Aufenthalt geschweige denn einen allzu weiten Umweg. Aber wenn man sowieso hier vorbeifährt kann man sich durchaus mal das Gelände ansehen und seine Urkunde erhalten.

In Yuma City

Dann war es auch nicht mehr weit bis Arizona, wo wir in Yuma getankt haben. Das erste Mal für unter 2$ pro Gallone. :smile:

Im Anschluss sind wir zum Motel Oak Tree Inn gefahren und haben eingecheckt und das Zimmer in Augenschein genommen, war aber alles super.

Da es noch nicht zu spät war und wir es eher ruhig angehen lassen wollten, sind wir zum Yuma Prison gefahren und haben das ehemalige Gefängnis besichtigt. Dieses ist sehr sehenswert und vor allem so Einrichtungen wie die Dark Cell sind beeindruckend. Und sogar aus dieser soll mal jemand ausgebrochen sein, nahezu unglaublich.

Im Museum erfährt man noch einiges über die Insassen des Gefängnisses und die Direktoren und Mitarbeiter. Und von dem Wachturm hat man einen schönen Blick auf Yumas alte Eisenbahnbrücke. Wegen dem Bau dieser Brücke, musste das Gefängnis auch einiges an Platz einbüßen.

Auf dem Parkplatz davor stand auch mal wieder ein riesiger Truck, wirklich unglaublich, wie groß die Autos hier teilweise sind. Damit wären wir wohl nicht im Sand stecken geblieben.

Großer Pick Up Truck auf dem Parkplatz des Yuma Prison
Großer Pick Up Truck vor dem Yuma Prison

Abends waren wir noch bei Target einkaufen, ist irgendwie unser liebster Markt geworden, nicht nur wegen dem gratis WIFI. Macht insgesamt einen ordentlicheren Eindruck als Walmart beispielsweise.

Unsere Kassiererin hat, wie so viele, gleich an unserem Akzent erkannt, wo wir herkommen und uns gesagt, dass sie Deutschland liebt. Sie war auch schon auf dem Oktoberfest in München. Mit dem Wort „Tschüss“ tat sie sich aber etwas schwer. Generell haben wir selten etwas negatives über Deutschland gehört. Die Amerikaner mit denen wir bislang gesprochen haben, hatten auch alle irgendwie eine Bindung zu unserem Land. Vor allem durch das Militär. Entweder sie selbst oder ein Angehöriger war mal in Deutschland stationiert gewesen.

Zu Abend gegessen haben wir bei McDonalds und dann sind wir nach diesem anstrengenden und nervenaufreibenden Tag mit der Panne in den Imperial Sand Dunes auch schnell im Bett gelandet.

Gefahrene Meilen: 230 (ca. 370 Kilometer)
Kosten Motelzimmer: 63,15$

Schreibe einen Kommentar