Albanien Roadtrip Tag 15: Wir erkunden Tirana

Albanien Roadtrip Tag 15: Wir erkunden Tirana

Einen wirklichen Balkon hatten wir ja nicht mehr, weshalb wir diesmal im großen Wohnzimmer frühstückten. Heute wollten wir Tirana erkunden und machten uns daher schon früh am Vormittag zu Fuß auf den Weg ins Stadtzentrum. Auf Tripadvisor hatten wir die Free Walking Tour Tirana entdeckt. Diese wollten wir unbedingt miterleben. Dabei folgten wir diesmal nicht den großen Straßen, sondern nahmen verschiedene Nebengassen, in denen natürlich auch überall Autos parkten.

Nebengasse in Albaniens Hauptstadt Tirana mit einem der gelben Taxis im Vordergrund.
Typische Nebengasse Tiranas

Erstes Ziel war wieder der zentrale Skanderbegplatz. Auf dem Weg dorthin gaben wir unsere geschriebenen Postkarten bei einer Poststelle ab. Was das angeht sind wir tatsächlich noch sehr altmodisch. Wir freuen uns, wenn wir Postkarten erhalten und verschicken auch selbst gerne welche. Jedes Mal ist es auch aufs Neue spannend, ob und wann die Karten ankommen.

Der zentrale Skanderbegplatz in Albaniens Hauptstadt Tirana an einem sonnigen Herbsttag.
Am Skanderbegplatz in Tirana

Free Walking Tour Tirana

Überpünktlich waren wir kurz vor 10 Uhr vor der Oper am Treffpunkt der Free Walking Tour Tirana. Einem Konzept, welchem wir in Tirana das erste Mal begegneten, welches wir aber mittlerweile in einigen weiteren Städten genutzt haben. Das Prinzip ist, dass die Stadtführung grundsätzlich kostenlos angeboten wird und man am Ende der Tour etwas spenden kann.

Einige Teilnehmer sowie unser Guide Eri waren schon da. Zu Beginn gab es eine kleine Vorstellungsrunde, es waren wirklich einige verschiedene Nationen vertreten. Eri gelang es, uns in kürzester Zeit die Stadt Tirana und ihre Geschichte sowie Gebäude näher zu bringen. Dabei war vor allem die Zeit der kommunistischen Diktatur sein Spezialgebiet.

Aber neben Fakten lernten wir auch einiges über die albanische Bevölkerung kennen. Und seine Ausführungen, verfeinerte er mit so mancher ironischen Anmerkung. Er spielte dabei vor allem auf albanische Klischees an, beispielsweise, dass hier niemand Auto fahren kann und alle Mercedes bevorzugen. Kein Wunder, erst seit den 90ern gibt es überhaupt eine Art Führerschein. Der war davor nicht nötig, denn es gab einfach keine Autos für die breite Masse der Bevölkerung.

Große Moschee in Tirana
Moschee in Tirana
Die Statuen Stalins, Lenins und Hoxhas in einem Hinterhof Tiranas.
Stalin, Lenin, Hoxha und nochmal Stalin

Vom Skanderbegplatz aus ging es an der alten Moschee vorbei zum Eingang von Bunk’Art 2, welches wir gestern Abend ja bereits besucht hatten. Von dort gelangten wir in den Hinterhof der National Arts Gallery, wo die alten Statuen Stalins, Lenins und Hoxhas stehen. Mittlerweile auch nicht mehr verhüllt. Dort saßen wir im Schatten und Eri erzählte von den Zeiten der albanischen Diktatur.

An der Musikstraße, mit ihren in den Boden eingelassen Noten, gingen wir bis zur George W. Bush Straße. Eine weitere Kuriosität in Tirana. Sie wurde nach dem ehemaligen US-Präsidenten benannt, da er als bislang einziger Präsident der USA in Albanien war.

Nächste Station war dann die Kathedrale St. Pauls mit der Statue Mutter Teresas, welche albanischer Abstammung war. Gegenüber fanden wir uns dann an der Pyramide Tiranas ein.

Die Pyramide Enver Hoxhas in Tirana.
Die Pyramide in Tirana

Dieses Gebäude sollte mal das Mausoleum Enver Hoxhas werden, woraus jedoch nichts wurde, denn die Zeiten seiner Diktatur sind vorüber. Eri berichtete, dass der Platz bald umgebaut werden soll und die Pyramide mit Stufen versehen wird. Die brutalistische Atmosphäre bleibt also nicht mehr ewig erhalten.

Die Villa Enver Hoxhas, dem ehemaligen Diktator Albaniens in Tirana.
Villa Enver Hoxhas, der ehemalige Diktator Albaniens

Unsere Tour ging weiter durch das ehemalige Edelviertel zu Zeiten des Kommunismus bis zur Villa des Diktators Enver Hoxhas. Natürlich ist das Haus schon etwas älter, aber sonderlich prunkvoll wirkte es auf uns nicht. Beinahe schon ironisch ist, dass direkt gegenüber der ehemaligen Villa des Kommunisten ein Schnellrestaurant der Marke Kentucky Fried Chicken etabliert wurde. Colonel Harland Sanders blickt vom Logo der Fast-Food-Kette direkt über die Mauern. Erie meinte auch, dass das das bislang erste Fast-Food-Restaurant Albaniens sei. Ja, Mc Donald’s gibt es hier tatsächlich noch nicht.

Fast Food von KFC direkt gegenüber der ehemaligen Villa Enver Hoxhas
Fast Food von KFC direkt gegenüber der ehemaligen Villa Enver Hoxhas

Die Tour endete an der orthodoxen Kirche Tiranas, welche an ihrer großen Kuppel zu erkennen ist. Wir fotografierten noch das Hochhaus, welches hier seit Jahren entsteht und einfach nicht fertig wird, wie Eri noch meinte. Von unserer ersten Free Walking Tour waren wir wirklich begeistert. Eri hat das super gemacht und wir haben dabei so einiges mitgenommen an Eindrücken. Gespendet haben wir natürlich auch etwas und sind dann zurück zum Apartment um etwas zu Mittag zu essen.

Hohe Bauwerke und Dauerbaustelle in Tirana

Mit der Gondel auf den Dajti

Nach der kleinen Stärkung haben wir unseren Duster geholt und uns durch den Stadtverkehr Tiranas gekämpft. An der Seilbahnstation haben wir das Auto abgestellt und mit der Gondel auf den Dajti gefahren. Die Fahrt dauerte recht lange und man hatte einen super Blick, nur waren die Scheiben der Gondel stark zerkratzt.

Blick vom Berg Dajti auf die Hauptstadt Albaniens, Tirana.
Blick auf Tirana im Herbst vom Dajti aus

Oben an der Bergstation war es sehr windig und wir froh, dass wir zumindest Jacken vorsorglich mitgenommen hatten. Nur leider war der eigentliche Aussichtspunkt aufgrund von Bauarbeiten gesperrt und nicht zugänglich. Wir erkundeten dennoch einige Zeit lang das Areal rund um die Bergstation, ehe wir eine Gondel zurück zur Talstation nahmen. Für die 4,3 Kilometer Strecke benötigte die Seilbahn 23 Minuten. Man hat also wirklich genug Zeit, die Aussicht zu genießen.

Gondel am Dajti bei der Einfahrt in die Bergstation
Gondel am Dajti

Besuch von Bunk’Art 1

Vom Parkplatz der Talstation aus fuhren wir mit dem Auto die kurze Strecke zum Parkplatz von Bunk’Art 1. Diesen erreichte man auf spannende Art und Weise, denn wir mussten einen dunklen, ehemaligen Bunkertunnel, durchfahren.

Bunk’Art 1 ist die deutlich größere Bunkeranlange Tiranas, da es der ehemalige Atomschutzbunker der kommunistischen Regierung war. Konstant 16 Grad Celsius hat es hier in den Gemäuern. Auf insgesamt fünf Ebenen wird man durch den Bunkerkomplex geführt und kann sich in den verschiedenen Räumen Inhalte zur Zeit Albaniens während der Diktatur ansehen. Themenschwerpunkt war hier vor allem die Etablierung des Kommunismus in Albanien.

Die Räume sind gut gestaltet gewesen und zum Teil sogar auf gruselige Weise interaktiv. In einem konnte man eine Attacke mit Senfgas simulieren.

Lavazzha – Autowäsche in Tirana

Wieder zurück am Parkplatz erstanden wir noch einen kleinen Betonbunker als Souvenir, da uns beide Ausstellungen von Bunk’Art wirklich gut gefallen haben. Sehr empfehlenswert.

Unser Auto sah mittlerweile extrem zugestaubt aus und wir wollten es so dreckig nicht abgeben am Flughafen. Weshalb wir einen der Lavazzhas in einem Einkaufszentrum ansteuerten. Für 400 Lek (circa 3,2€) wurde unser Auto von außen gereinigt, sodass man den Staub der Offroadfahrten nicht mehr erkennen konnte.

Staubiger Duster vor der Wäsche
Staubiger Duster vor der Wäsche
Albanische Autowäsche in einer Tiefgarage
Albanische Autowäsche in einer Tiefgarage
Sauberer Duster nach der Wäsche
Sauberer Duster nach der Wäsche

Zurück ging es wieder durch den chaotischen Feierabendverkehr. Am Apartment war leider kein Parkplatz frei, weshalb wir wieder beim eigentlichen Apartment parkten und zurück liefen. Mit einem Resteessen ging der spannende Tag in Tirana zu Ende. 

Gefahrene Kilometer: 30

Kosten Apartment: 30,00 €

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